Album review of The Second You Sleep (German)

Der A-Ha-Effekt

Neun Jahre abgeschieden auf einer Insel in Dänemark auf das Licht der Veröffentlichung warten: Was sich zuerst anhört, wie die skandinavische Variante von Robinson Crusoe, ist tatsächlich das kleine Erfolgsmärchen der Gruppe Saybia. In Sachen Pop-Exporte hinkt unser kleines Nachbarland für gewöhnlich seinen skandinavischen Kollegen Schweden und Norwegen hinterher. Mit Saybia jedoch kann und wird alles anders werden. Popmusik, die sich die Bezeichnung hymnisch endlich mal wieder mehr als verdient hat.

“The second you sleep” heißt das Album, für das die fünf Dänen jahrelang in irgendwelchen Scheunen der Insel Fünen die Fingerkuppen mal sanft, mal kraftvoll an Gitarrensaiten vorbeischrammten. Für Musik dieser Art wurden Starsailor vor gut einem Jahr mit riesigen Vorschusslorbeeren in die Festivalsaison gejagt. Mit ähnlicher Emphase bewaffnet füllten auch die einstigen Teenieschwärme von A-Ha ganze Sommermonate lang Abend für Abend Fußballstadien. Und überhaupt ist A-HA an dieser Stelle das Stichwort, erinnert doch Sänger Sören Huss’ Stimme in Songs wie “Fools corner” und “The second you sleep” in Melodik und Pathos verdammt noch mal an deren Morten Harket. Nicht zufällig ließen sich Harket und Co. auf ihrer letzten Tournee von Saybia begleiten.

Jeder der zwölf Titel auf “The second you sleep” fügt sich ein in ein harmonisches Ganzes. Ganz sicher der passende Soundtrack zu einem verregneten Herbsttag. Wehmut nistet sich in jeder Ecke des Zimmers ein, wenn Huss mit schmachtender Stimme singt, “I’m not the one for you / You are the one for me.” Man möchte den kleinen, pummeligen Dänen geradezu in den Arm nehmen, wenn er in “In spite of” traurig seufzt, “I ain’t as beautiful as you.”

Doch nicht immer ist sanfter Wohlklang das einzig stimmige Rezept, es geht auch kauziger: “Snake tongued beast”, eingeleitet von einem dreckigeren Gitarrenriff, schaukeln die fünf Dänen hoch zu einem kleinen Popmonster. Doch bald danach wird wieder felißig in Schönheit gestorben. Das ist keineswegs neu, aber unbedingt ergreifend. Damit haben Saybia auch etwas mit ihren Landsleuten von Kashmir gemeinsam. Beide Bands kennen sich, inspirieren sich und sorgen vielleicht in Zukunft dafür, daß das kleine Stück Land in der Nordsee auf der Landkarte der Popmusik häufiger von sich reden macht.

Rating

5 out of 6

Author

Sebastian Peters (Plattentests.de)

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