Album review of These Are The Days (German)

Schlaflos in Kopenhagen

Erstes Album – ein Erfolg. Erste Tour – endlos. Es folgt – der große Bandstreit. Und am Ende – das zweite Album als Versöhnung. Eine x-beliebige Bandbiographie, denn die Mythen des Rock sind ab und an doch sehr ergründlich: Streit bei Musikern wirkt wie reinigendes Gewitter, und das zweite Album ist immer das Schwierigste. Saybia sollen sich richtig gezofft haben während der 18 Monate, die sie mit “The second you sleep” interkontinental unterwegs waren. Schlußendlich bauten sich Saybia dann ein Studio in Kopenhagen und hatten sich wieder lieb! Nun also der Zweitling “These are the days”, taghell und ohne Schlaf.

Der Versuch ist erst einmal löblich: Den Schmachtfaktor des Erstlings haben die fünf Dänen auf ein Minimum reduziert. Der Opener “Brilliant sky” wartet gar mit einem satten Gitarrenriff auf. Saybia entdecken den Rock und klingen wie Interpol auf Lachgas. Auch das zweite Stück “Bend the rules” verzichtet auf die pathetische Instrumentierung des Vorgängeralbums und wirkt daher äußerst beschwingt.

Melodien haben sie ja, diese Dänen: Doch spätestens bei “I surrender” und “Guardian angel” wird deutlich, was hier fehlt: Eier! Saybia sind eine Pop-Band ersten Grades, was im Grunde nicht schlecht ist, wenn sie nicht eigentlich auch manchmal Rock machen wollten. Plötzlich in “Soul united” gar eine politische Note: “United nations, divided countries”, lautet da eine Textzeile. Doch bei diesem Nervtöter plädiert der Kritiker ausdrücklich für einen Blauhelmeinsatz. “Flags” hält dann die Fahne noch einmal hoch für den anfänglichen Schwung, den Saybia ihrem Werk verleihen wollten. So wollen wir das, Jungs. Ein eingänglicher gezupfter Baß, eine wummernde Orgel und ein Sänger, der wehmütig jauchzt. Gut, so!

Abschluß des Albums bilden zwei wahrscheinlich bandinterne Wünsche: Im finalen Song “It’s ok, love”, wiederholen Saybia noch einmal den Keane-Sommer. Sänger Soeren und ein Piano, in trauter Einigkeit. Danach ein versteckter elfter Track: 17 Minuten Gitarrensoli und gediegene Soundeskapaden. Den wird sich der Gitarrist gewünscht haben, der bei Konzerten immer bonjovi-esk an seiner Gitarre fuchtelt. Was bleibt, ist ein durchschnittlicher Gesamteindruck und ein wahrlich frommer Wunsch: immer schön vertragen, Jungs!

Rating

3 out of 6

Author

Sebastian Peters (Plattentests.de)

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