Album review of These Are The Days (German)

Skandinavier haben keine Probleme mit heimischen Britpop-Bands. Saybia zum Beispiel genießen in Dänemark und Norwegen Superstar-Status und werden mit mehrfachen Platin-Auszeichnungen dekoriert. Hierzulande können Bands wie Slut oder Miles davon nur träumen. Offensichtlich wird Dänen mit Akustikgitarren, goldenen Stimmen und kalorienreichen Songs einfach mehr Authentizität zugesprochen als Deutschen, egal, ob man das nun gerecht finden mag oder nicht. Zudem: Die lästige Grundsatzfrage Muttersprache oder Englisch scheint im hohen Norden einfach viel weniger quälend. Saybia haben jedenfalls alles, was es braucht, um im internationalen Schmachtpop-Game ganz vorne mitzuspielen: glühende Songs, drückende Gitarren, universelle melancholische Textzeilen und natürlich: Søren.

Allein der korpulente Frontmann singt die Konkurrenz schon mal in Grund und Boden. Da sind einfach keine Schwächen auszumachen. Der Junge würde auch in den großen Opernhäusern neben Pavarotti und Co. bestehen. Insgesamt gehen Saybia sogar noch eine Stufe kalkulierter ans Werk als viele ihrer britischen Kollegen. Hier wurde ordentlich poliert und gewienert. Jeder Song glänzt wie italienische Lackschuhe. Wir können uns drauf einstellen: Das Terrain zwischen Travis und A-ha ist fruchtbar und wird noch so manches Gitarrenpop-Wunder hervorbringen. Drei Fragen dazu bitte noch – mindestens. Was entgegnet ihr Leuten, die sagen: Schon wieder so eine Band, die klingt wie frühe Radiohead, Coldplay, Travis und Starsailor? Das müssen wir uns natürlich ständig anhören. Es macht uns aber nichts aus, wir wissen ja, dass wir da wohl dieselben Wurzeln haben. Natürlich mögen wir es nicht, wenn man uns als schlechte Kopie beschimpft. Aber auf der neuen Platte ist ohnehin der Einfluss amerikanischer Musik deutlich stärker. Wir wollen da jetzt keine weiteren Bandnamen nennen. It’s really up to the listener. Der letzte, unbetitelte Song dauert über 17 Minuten. Seid ihr eigentlich ‘ne verkappte Artrockband oder so was? Nein. Als Artrock würde ich das gar nicht bezeichnen. Wir machen einfach die Musik, die wir machen wollen, und lassen die Lieder so klingen, wie wir das für richtig halten. Der Song soll eher diesen Zustand von Endlosigkeit beschreiben, wenn man 18 Monate lang ununterbrochen auf Tour ist. Wir haben da als Band einiges durchmachen müssen. In der Platteninfo war zu lesen, dass Sänger Søren inzwischen die hohen Falsetttöne vermeidet, um nicht länger mit Morten Harket von A-ha verglichen zu werden. Das pisst uns jetzt aber echt an, das stand da wirklich drin? [lacht] Da müssen wir später mit der Plattenfirma noch mal ein ernstes Wort sprechen. Also, auf solche Probleme verschwenden wir wirklich keine Gedanken. Wir haben uns noch nie darum bemüht, absichtlich nicht wie irgendjemand anderes zu klingen.

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Author

Oliver Minck (Intro.de)

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