Album review of Eyes On The Highway by M&G (in German)

Einst flossen Tränen, wenn Saybia zu ihren überirdisch schönen Klageliedern ansetzten. Mittlerweile jedoch dürfte dem Quintett kaum jemand mehr eine Träne nachweinen. Die wohl meinende Warnung, die sich Saybia als Titel für ihr drittes Album ausgesucht haben, hätten sie vielleicht mal besser selber beachtet. ‘Keep your eyes on the highway’ heißt es im Refrain des titelgebenden Stücks. Pass auf, dass du deinen Weg nicht aus den Augen verlierst.

Das dänische Quintett, das in den Medien schon mal als ‘Coldplay des Nordens’ bejubelt wurde, ist mächtig vom eigenen Weg abgekommen. Noch dazu sehenden Auges. Denn eigentlich standen Frontmann Soren Huss und seine Mitstreiter schon fast vor der Auflösung. 18 Monate waren sie auf Tour gewesen, hatten sich leer gespielt, aneinander aufgerieben und sprachen kaum mehr miteinander. Dann rauften sie sich noch einmal zusammen, zogen sich für zwei Monate in ein Studio zurück, nahmen das vorliegende Album auf. Hätten sie sich mal lieber ein bisschen mehr Zeit zum Regenerieren genommen.

Die grandios melancholischen Momente, die Saybia auf dem zeitlos schönen Debüt ‘The Second You Sleep’ aus dem Nichts zauberte, begannen zwar schon mit dem Nachfolger zu schwinden. Immerhin aber gelang es dem Quintett damals noch, sich wie der kleine Bruder von a-ha zu gebärden, sein Händchen für große Pop-Balladen unter Beweis zu stellen. Beim dritten Anlauf ist von all dem zuvor Geleisteten nur mehr wenig geblieben als eine unverdaulich große Portion Pathos.

Elf Stücke lang verstricken sich Saybia in überbordenden Emotionen und hobby-poetischen Banalitäten (‘Never felt so alone / When god send an angel / an angel / she’s an angel / an angel / never felt so alone…’). Man will ja durchaus glauben, dass die schlichten Liebeslieder mit der notwendigen Portion Herzschmerz verfasst worden sind. In Endeffekt sind sie in all ihrer Beiläufigkeit aber dann doch nur für diejenige von Interesse, der die Zeilen gewidmet sind. Für den großen Rest bleiben sie ohne Zugang, werden kurz wahrgenommen und schnell wieder vergessen.

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Bettina Dunkel (M&G)

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