Album review of Eyes On The Highway by Whiskey Child (in German)

Es liegt zurecht ein wenig schwer im Magen, dass sich die Pressemitteilung zum neuen Album der Kopenhagener Band Saybia, “Eyes On The Highway”, wie die Analystenempfehlung eines Börsengurus liest. Hier auf Mandelas AIDS-Gala gespielt, dort bereits den Zukunftsmarkt China erobert, ebenso steigende CD-Verkäufe in Japan und in den Niederlanden sowieso gleich auf Nummer Drei eingestiegen. Was macht die Aktie Saybia denn so wertvoll? Auch hier man gleich fündig: Starphotograph Anton Corbijn, dessen Linse von Adam Ant bis Trent Reznor die Größen im Biz bereits gesehen hat, setzt die Band für das Artwork in Szene. Tehad Blake, seinerseits bereits für Travis oder Pearl Jam tätig gewesen, setzt die Musik passend dazu in Szene. So verwundert es denn auch nicht, dass es sich bei diesem dritten Album um die bislang aufwendigste Produktion des Quintetts handeln muss.

Und was macht die Band Saybia nun wirklich wertvoll?
Aufwand in der Produktion ist meist der gepflasterte Weg in die Opulenz. Das führt recht schnell dazu, dass dem Hörer Pathos verhangene Bilder von Männern in Weizenfeldern vor Augen kommen, die mit den guten Gibson-Gitarren um den Hals ihre Arme sehnsuchtsvoll gegen den Wind ausbreiten . So geschehen zum Beispiel beim Titeltrack des Albums “Eyes On The Highway”: die ambitioniert schöne Klavierhookline vom Anfang artet mit voranschreitender Zeit und in zunehmendem Gefolge schwerer Gitarrenklänge in das bereits befürchtete Weizenfeld-Szenario aus. Dabei hat der Anfang noch den perfekten Popsong versprochen.

Dass es den nicht gibt, daran werden auch die fünf Dänen nichts ändern können. Søren Huss, Sänger und Songwriter der Band, ist aber manches Mal dann doch gar nicht so weit davon entfernt. Das vom Weltschmerz leicht mitgenommene “On Her Behalf” beispielsweise bewahrt sich mit Klavier, Keyboard und Streichereinsatz an den richtigen Stellen gekonnt vor schmalziger Ausuferung. Und auch wenn sich Huss in für Männer meist recht gefährliche Stimmlagen vorsingt, verliert seine Stimme doch nie das zerbrechliche Moment, das dem Pop gut zu Gesichte steht.

Und Herrgott ja, wenn es sich doch in China, Japan, Russland, den Niederlanden, Österreich und Belgien, etc. gut verkauft…

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Crimechild (Whiskey Soda)

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